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110-jähriges Firmenjubiläum von Denon - Vol 2 Interview mit Ryo Okazeri Record Player Ingenieur

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Anlässlich des 110-jährigen Firmenjubiläums von Denon im Jahr 2020 veröffentlichen wir eine Blog-Serie über die Geschichte von Denon, seine Klangphilosophie, seine handwerkliche Denkweise, bemerkenswerte Produkte sowie Interviews mit Schlüsselpersonen. Dieser zweite Artikel ist ein Interview mit Ryo Okazeri, einem Ingenieur, der seit Langem Tonabnehmer und Plattenspieler für Denon entwickelt und viel über die Geschichte des Unternehmens erzählt.

 

DIE GESCHICHTE VON DENON IM BEREICH GRAMMOPHONE, TONABNEHMER UND PLATTENSPIELER

 

Wie lange arbeiten Sie schon bei Denon?

Okazeri: Schon sehr lange. Ich stieg direkt nach meinem Studienabschluss bei Nippon Columbia ein. Heute bin ich wahrscheinlich der Älteste im Unternehmen.

 

In welchem Bereich arbeiteten Sie am Anfang Ihrer Karriere?

Okazeri: Zunächst war ich der Design Division in der Niederlassung in Mitaka in der Präfektur Tokio zugeordnet. Denon war damals die Audiogeräte-Sparte von Nippon Columbia in Japan. Als ich eingestellt wurde, hieß das Unternehmen noch „Den-On“. Nach der Fusion des Rundfunkanlagen-Herstellers Nippon Denki Onkyō Kabushikigaisha (Japan Electric Sound Company) mit der Columbia Corporation wurde die Niederlassung in Mitaka zur Firmenzentrale. Der Markenname Denon basiert also auf der Abkürzung Den-On.

 

Wofür waren Sie in der Niederlassung in Mitaka zuständig?

Denon 110 Years

 

Okazeri: Ich gehörte dem Bereich an, in dem Tonabnehmer entwickelt wurden. Das war in der Übergangszeit von analog zu digital, von Schallplatten zu CDs. Später wechselte ich in die Abteilung „Development and Engineering of Digital Devices“. Im Nachhinein betrachtet war das ein Glücksfall, denn ich hatte die Gelegenheit, die Entwicklung digitaler Geräte, angefangen bei der Wandlertechnik, hautnah mitzuerleben.

 

Nach Ihrem Eintritt ins Unternehmen entwickelten Sie also zunächst Tonabnehmer?

Okazeri: Ja, etwa fünf Jahre lang. Da Tonabnehmer keine Einzelprodukte sind, lernte ich als Ingenieur auch viel über Peripheriegeräte wie Tonarme und Plattenteller.

 

2020 feiert Denon sein 110-jähriges Bestehen. Wie sehen Sie dieses Jubiläum aus der Plattenspieler-Perspektive?

Okazeri: In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass das Unternehmen ursprünglich von Nippon Chikuonki Shokai (Japan Recorders Corporation) gegründet wurde. Das ist der Ursprung von Nippon Columbia, und so ist es das 110-jährige Jubiläum der Marke seit ihren Anfängen. Wenn man bedenkt, dass der Vorgänger von Denon ein Hersteller von Grammophonen war, kann man wohl zu Recht behaupten, dass bei Denon von Anfang an Geräte, die Platten drehen, im Mittelpunkt standen.

 

Denon 110 Years

↑Grammophon Nr. 35 im Eingangsbereich (1915 in der Fabrik der Japan Recorders Corporation in Kawasaki hergestellt)

 

Ich habe gehört, dass auch die Rede von Kaiser Hirohito, mit der er den Zweiten Weltkrieg beendete, mit einem Denon Gerät aufgenommen wurde.

Okazeri: Ja, das stimmt. Die Rede wurde mit dem Schallplatten-Rekorder DP-17K der Japan Electric Sound Company aufgezeichnet und abgespielt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gab es noch keine Tonbandgeräte oder Ähnliches. Deshalb wurden Acetat-Schallplatten verwendet, die nach der Aufnahme direkt abgespielt werden konnten. Bei der Aufnahme wurden die Rillen einer Acetatplatte mit einem Stichel graviert.

Seit seiner Gründung im Jahr 1939 belieferte die Japan Electric Sound Company die japanische Rundfunkanstalt NHK mit unterschiedlichen Geräten. Vor der Entstehung der Japan Electric Sound Company gab es in Japan keinen nationalen Hersteller von Aufnahmegeräten. Damals verkaufte Telefunken, ein deutscher Hersteller von Radio- und Fernsehgeräten, Schallplatten-Rekorder in Japan. Die Produkte waren zwar äußerst leistungsstark, aber sehr teuer. So entstand der Wunsch, solche Produkte im Inland zu produzieren, und die Japan Electric Sound Company wurde aufgefordert, einen japanischen Schallplatten-Rekorder zu entwickeln und herzustellen. Diese Technik wurde auch zur Aufzeichnung und Wiedergabe der Radioansprache des Kaisers verwendet, in der er die Bedingungen der Potsdamer Erklärung anerkannte. Dies war ein historischer Moment, der das Schicksal Japans bestimmte.

 

Stimmt es, dass das Vorgängerunternehmen von Denon, die Japan Electric Sound Company, kommerzielles Rundfunk-Equipment herstellte?

Okazeri: Ja, das stimmt. Zunächst bauten wir Geräte für die japanische Rundfunkgesellschaft NHK. Damals gab es noch keine privatrechtlichen Rundfunksender. Selbst nach dem Krieg unterhielten wir eine enge Geschäftsbeziehung mit NHK und belieferten den Sender weiter mit Geräten, hauptsächlich mit Schallplatten-Rekordern. Nach 1951, als die kommerziellen Radiosender aufkamen, stiegen unsere Produktionszahlen weiter.

Der Tonabnehmer DL-103 sollte zu einem Katalysator für die Entwicklung von Audiogeräten für den Consumer-Bereich werden. Er war auf die strengen Spezifikationen von NHK ausgelegt, denn die Rundfunkgesellschaft begann 1964, Rundfunksendungen in FM-Stereo zu übertragen. Dafür musste der Tonabnehmer mit den Sendeanlagen von NHK kompatibel sein.

Der DL-103 mag wie ein Consumer-Produkt aussehen, war aber ursprünglich für den professionellen Einsatz gedacht. Nachdem er später auch auf dem Consumer-Markt vertrieben wurde, versuchte die Marke Denon, ihr Geschäft mit Plattenspielern auszubauen.

 

„TECHNISCH ÜBERLEGENE PRODUKTE ENTWICKELN & SICH ALS ZUVERLÄSSIGER HERSTELLER EINEN NAMEN MACHEN.“

 

Das erste Denon Produkt für Endverbraucher war also der Tonabnehmer DL-103, der ursprünglich für FM-Stereoübertragungen entwickelt worden war.

Okazeri: Richtig. Die Japan Electric Sound Company war ein etablierter Hersteller von Geräten für den Profibereich, aber der Sendetechnik-Markt war sehr begrenzt, weil nur Rundfunkanstalten Verwendung für die Geräte hatten. Die Japan Electric Sound Company war zwar am Verbrauchermarkt interessiert, verfügte jedoch nicht über die erforderlichen Massenproduktions-Verfahren und Vertriebsstrukturen.

1947 wurde das Unternehmen jedoch eine Tochtergesellschaft von Nippon Columbia und dann 1963 durch eine Absorptionsfusion die Audiogeräte-Sparte von Nippon Columbia. So bot sich dem Unternehmen doch die Chance, in den Consumer-Markt einzutreten.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der DL-103 für FM-Stereoübertragungen eingesetzt. Seither haben wohl die meisten japanischen Rundfunkanstalten den DL-103 zum Abspielen von Schallplatten verwendet. Mittlerweile werden zwar CDs und andere digitale Inhalte genutzt, doch ich denke, dass der Tonabnehmer nach wie vor zum Abspielen analoger Schallplatten eingesetzt wird.

Das erste Produkt, das Denon auf dem Verbrauchermarkt verkaufte, war also der Tonabnehmer DL-103, der sich als Standardgerät für den Rundfunkbereich etablierte. Der Markteinstieg war die Geburtsstunde der Denon Consumer-Produkte. Das war 1970.

 

Unterscheidet sich der DL-103 für den Rundfunk-Bereich von der „Consumer“-Variante?

Okazeri: Nein, es ist das gleiche Gerät. Tatsächlich ist der DL-103 bis heute derselbe. Er wird nach wie vor in der Fabrik in Shirakawa (D&M Shirakawa Audio Works) in der japanischen Präfektur Fukushima hergestellt. Wir bauen dieses Produkt nun seit 56 Jahren.

 

Denon 110 Years

↑Der Tonabnehmer DL-103 wird in der Fabrik in Shirakawa bis heute von Hand hergestellt.

 

Nach dem DL-103 brachte Denon Plattenspieler für Endverbraucher auf den Markt, richtig?

Okazeri: Ja, das stimmt. Nach der Einführung von FM-Stereoübertragungen begann Denon, Plattenspieler wie den DN-302F für NHK herzustellen. Später setzten wir dieselbe Technologie für die Entwicklung von Consumer-Plattenspielern ein.



DN-308F Record Player

↑DN-308F, ein Plattenspieler für den professionellen Einsatz im Rundfunkbereich

 

Der Betriebsleiter der Niederlassung in Mitaka bezeichnete Denon als „schwachen“ Hersteller für den Verbrauchermarkt und legte drei Richtlinien fest:

  • „Produkte entwickeln, die denen anderer Unternehmen technisch überlegen sind“
  • „Äußerst zuverlässige Produkte herstellen“
  • „Sich als zuverlässiger Hersteller mit hervorragenden Produkten einen Namen machen“

Als Denon Ende der 1960er Jahre mit der Produktion von Verbraucherprodukten begann, verschob sich der Markt für Audiogeräte aufgrund der technologischen Entwicklungen seit Ende der 1950er Jahre allmählich in Richtung Massenabsatz durch große Elektronikhersteller. Es wurde immer deutlicher, dass die großen Hersteller fast den gesamten Markt beherrschten. Die drei von der Niederlassung in Mitaka festgelegen Richtlinien wurden an alle Denon Mitarbeiter weitergegeben.

Zur Erschließung des Verbrauchermarkts nutzten wir unsere Erfahrungen bei der Entwicklung und Herstellung von Audiogeräten für den professionellen Einsatz in vollem Umfang als technologische Akkumulation. Unsere Entschlossenheit, am Markt für Unterhaltungselektronik teilzunehmen, erkennt man auch daran, dass unsere Produkte Features aufweisen, die sich von gewöhnlichen Massenprodukten für den Massenmarkt unterscheiden.

 

Ich glaube, Denon besitzt seine ganz eigene Philosophie hinsichtlich der Herstellung von Produkten, die in diesem Satz nach wie vor mitschwingt.

Okazeri: Ja, Sie haben Recht. Hinter den Produkten von Denon steht bis heute das konsequente Bestreben, die Konkurrenz in puncto Technologie in allen Kategorien zu übertreffen. Der erste Plattenspieler für den Consumer-Markt, den Denon damals mit diesem Ziel im Blick entwickelte, war der DP-5000.

 

DP-5000 & DP-3000 – SYNONYME FÜR DENON PLATTENSPIELER

 

Stimmt es, dass der erste Consumer-Plattenspieler von Denon, der DP-5000, nur aus einem Plattenteller bestand?

Okazeri: Damals legten die meisten Audiofans Wert darauf, Plattenteller, Tonarm, Tonabnehmer und Gehäuse selbst zu wählen und zu kombinieren. Der DP-5000 war also nur ein Plattenteller – ein eigenständiges Produkt.

 

Denon DP-5000

↑DP-5000 (Denon Museum)

 

War der DP-5000 ein erfolgreiches Produkt?

Okazeri: Ja, er war in vielerlei Hinsicht ein Hit. Das Design war ziemlich innovativ, was wohl viele Audiophile überraschte. Wenn man sich die Daten aus dieser Zeit ansieht, erkennt man, dass es jede Menge Versuche und Fehlversuche gab.

Was ich an den Plattenspielern von Denon mag, ist das industrielle Design, das an Profi-Geräte erinnert, zum Beispiel bei den 33- und 45-Tasten. Sie sind groß und einfach zu drücken, nicht wahr? Wenn man sie drückt, startet das Gerät sofort. Diese Funktion ist gezielt auf den Betrieb im Rundfunkbereich ausgelegt.

 

Danach kam der DP-3000 auf den Markt, oder?

Okazeri: Ja, und genau wie der DP-5000 besteht auch der DP-3000 nur aus einem Plattenteller. Der DP-3700 hatte dagegen auch ein Gehäuse. Die Grundkonstruktion ist fast identisch mit dem DP-5000. Allerdings handelte es sich beim DP-5000 um eine abgespeckte Version des Modells für Rundfunkanstalten. Für ein Consumer-Produkt war das dennoch „zu viel“, und er war einfach zu teuer. So wurde der DP-3000 entwickelt, um das Kostenproblem zu lösen. Ich glaube, das war damals eines der beliebtesten Plattenspieler-Modelle von Denon auf dem Markt.

 

DP-3000 (Turntable in cabinet) (Denon Museum)

↑DP-3000 (Plattenteller im Gehäuse) (Denon Museum)

 

Sind der DP-5000 und der DP-3000 repräsentativ für die Plattenspieler von Denon?

Okazeri: Ich glaube schon. Denon war neu auf dem Verbrauchermarkt, und diese beiden Modelle spielten eine entscheidende Rolle, um dem Unternehmen einen Vorteil auf dem Komponentenmarkt zu verschaffen. Das wichtigste Feature am DP-5000 und DP-3000 war, dass sie AC-Motoren, also Wechselstrommotoren für den Antrieb des Plattentellers verwendeten.

 

DER GRUND, WESHALB DENON DEN WELTWEIT ERSTEN WECHSELSTROMMOTOR MIT DIREKTANTRIEB EINSETZTE.

 

Wo liegen die Vorteile des einzigartigen AC-Motors mit Direktantrieb von Denon?

Okazeri: Tatsächlich nutzten die Rundfunkanstalten den Plattenspieler auf eine raffinierte Art und Weise. Um einen Song in einer Sendung abzuspielen, platzierten sie die Nadel in der Rille der Schallplatte, hielten diese aber mit der Hand fest. Sobald sie ihre Hand wegnahmen, drehte sich die Schallplatte, und die Musik erklang. So wurde früher Musik abgespielt. In der Vergangenheit geschah dies meist mechanisch mit einem Leerlaufantrieb.

 

Sie meinen, Songs konnten so abgespielt werden, sobald der Einsatz in der Sendung gegeben wurde?

Okazeri: Ja.

 

Dreht sich der Plattenteller nach dem Loslassen sofort in der richtigen Geschwindigkeit?

Okazeri: Ja, so ist es. Im Gegensatz zu Sofortstarts, bei denen der digitale Speicher verwendet wird, ist dies jedoch nicht in null Sekunden möglich. Die Anlaufzeit wird durch die Kombination aus Motoranlaufmoment und Plattentellerträgheit bestimmt. Wir hatten unsere Technik stetig verbessert, und schließlich konnten wir ein Direktantriebssystem entwickeln, das sich in der richtigen Geschwindigkeit dreht, sobald die Taste gedrückt wird.

 

Sie benötigten also einen Direktantrieb, um die Musik in Radiosendungen direkt abspielen zu können?

Okazeri: Ja, weil es beim Direktantriebssystem keine mechanischen Verluste gibt. Sobald man die 33- oder 45-Taste drückt, dreht sich der Plattenteller in der richtigen Geschwindigkeit.

Übrigens hatte der erste Plattenspieler mit direkt angetriebenem AC-Motor für die Rundfunkbranche, der DN302F, eine Anlaufzeit von 0,2 Sekunden und einen Drehwinkel von 30 Grad, und er drehte sich normal.

Den Direktantrieb zu erklären, würde den Rahmen hier sprengen. Ich glaube, NHK hat die benötigten Spezifikationen für diesen Motor definiert, und wir haben ihn dann gemäß diesen Vorgaben entwickelt.

Uns war klar, dass Geräte für den Rundfunkbereich künftig automatisiert werden und ohne elektrische Steuerung nicht nutzbar sein würden. Daher war es unerlässlich, von einem Stopp-Zustand zu einem Direktantrieb überzugehen, der sich elektrisch und ohne mechanische Betätigung starten ließ.

 

War damals schon ein direkt angetriebener Plattenspieler mit AC-Motor auf dem Markt?

Okazeri: Nein. Damals wurden Gleichstrommotoren für den Direktantrieb verwendet. Diese erzeugen ein Magnetfeld, indem Gleichstrom durch eine Spule geleitet wird. Anschließend wird ein Magnetrotor in die Spule eingeführt, um die Polung zu ändern, sodass sich der Rotor dreht.

AC bedeutet Wechselstrom. Viele AC-Motoren haben keine Magneten. Es gibt mehrere Spulenschichten, an denen eine Wechselspannung angelegt wird. Wenn die durch den Strom erzeugten Magnetfeldvektoren gebündelt werden, beginnt der Motor, sich zu drehen. So entsteht ein so genanntes rotierendes Magnetfeld, das den Rotor in Drehung versetzt. Da der Rotor sich unabhängig von den Polen des Magnets bewegt, entstehen im Gegensatz zu Gleichstrommotoren weder Rastmomente noch eine Drehmomentwelligkeit, sodass sich der Rotor gleichmäßig dreht.

Unsere Motivation dafür, als Erste einen Plattenspieler mit direkt angetriebenem AC-Motor zu bauen, lag meiner Meinung nach in unserer Philosophie, von der ich bereits gesprochen habe: Produkte zu bauen, die denen anderer Unternehmen technisch überlegen sind.

 

Coil of AC servo motor (from the catalog at that time)

↑Spule eines AC-Servomotors (aus dem damaligen Katalog)

Denon brachte 2018 nach langer Zeit wieder zwei brandneue Plattenspieler auf den Markt: den DP-400 und den DP-450USB, die beide von Ihnen entwickelt wurden. Der Grund für die neuen Modelle war wohl das Comeback des Plattenspielers. Was denken Sie darüber?

Okazeri: Plattenspieler sind analog. Der Dynamikbereich von Plattenspieler-Sound ist definitiv kleiner als bei einer CD. Außerdem gibt es eine Menge Verzerrungen, und auch die Leistung hinsichtlich Signal-Rausch-Verhältnis und Kanaltrennung ist nicht besonders gut. Aber wenn Sie eine Schallplatte hören, können Sie die Anwesenheit des Künstlers regelrecht spüren. Sie spüren den Raum, in dem sich die Musiker befinden. Die Wahrnehmung von Wirklichkeit und Raum, die Atmosphäre, in der die Musik erklingt, ist ein bisschen anders. Es fühlt sich echt an. Ich persönlich finde, dass man das beim Abspielen analoger Musik deutlich spüren kann.

DP-450USB Record Player

Plattenspieler DP-450USB

 

ICH LERNTE VON DEN INGENIEUREN DES DL-103.

 

Gibt es Produkte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Okazeri: Als Student stellte ich ein System aus einzelnen Komponenten zusammen. Ich hörte Jazz und klassische Musik, und ich dachte, ich wäre ein Audiophiler. (lacht)

Ich hörte einfach gerne Musik und war nicht allzu pingelig, was den Sound anging. Doch ein damaliger Freund von mir war ein echter Audio-Freak. Er kaufte sich ständig neue Komponenten und überließ mir seine gebrauchten zu einem günstigen Preis.

Soweit ich mich erinnere, begann ich mit dem V15 Type 3, einem MM-Tonabnehmer von Shure. Später verdiente ich etwas Geld dazu und erstand einen MC-Tonabnehmer (SPU-G) von Ortofon. Ich war erstaunt über die deutlich bessere Klangqualität. Als ich mich über MC-Tonabnehmer schlau machte, entdeckte ich den DL-103 von Denon in Japan. Als ich wieder etwas dazuverdient hatte, kaufte ich mir diesen Tonabnehmer sowie den Überträger AU-320. Als ich von Nippon Columbia eingestellt wurde, hatte ich in der Arbeit plötzlich mit jedem Teil dieser Tonabnehmer zu tun.

 

Sie wurden also der Entwicklungsabteilung eines Produkts zugewiesen, von dem Sie fasziniert waren.

Okazeri: Genau. Als ich in die Firma kam, waren die Leute, die den DL-103 sowie die zugehörigen Peripheriegeräte entwickelt hatten, noch an Bord. Ich konnte also viel über Tonabnehmer und Peripherietechnik lernen, indem ich ihnen über die Schulter schaute.

 

The DL-103's first model laid out on the drawing of the DL-103 and the dedicated tonearm blueprint- (Denon Museum)

↑Das erste Modell des DL-103 auf der Konstruktionszeichnung für den Tonabnehmer und den zugehörigen Tonarm (Denon Museum)

Alle Ingenieure waren damals einfach fantastisch. Obwohl der DL-103 so ein kleines Gerät war, wurde er in der Entwicklungsphase vollständig von Hand gefertigt. Wir konnten uns an keinem Produkt orientieren, weil es keinen Vorgänger gab. Wir entwickelten ihn von Grund auf neu und verliehen ihm Form. Darum geht es bei der Technik. Deshalb bin ich stolz, über das „alte“ Denon und seine Produkte zu sprechen, obwohl dies sehr anmaßend von mir ist.

 

Als Berufsanfänger waren sie von vielen solcher großartigen Ingenieure umgeben, nicht wahr?

Okazeri: Oh ja, das stimmt. In meiner Anfangszeit in der Firma entwickelten wir zum Beispiel einen High-End-Tonabnehmer namens DL-1000A, der damals 100.000 japanische Yen (etwa 804 Euro) kostete. Als neuer Mitarbeiter sollte ich das Gerät „vermessen“. Ich testete das Gerät also völlig blauäugig und war von seiner enormen dynamischen Bandbreite gar nicht überrascht. Ich wusste ja nicht, welche technische Akkumulation und Komplexität sich dahinter verbargen. Unwissenheit ist eine Sünde.

Der DL-103 hat eine Hochfrequenzresonanz von etwa 45 kHz. Der DL-1000A dagegen hat 110 kHz. Durch diese hohe Qualität werden alle Produktmerkmale verbessert. Verzerrungen und Nebensignaleffekte, also die Trennung zwischen links und rechts, werden minimiert. Auch das Follow-up von Schallplatten wird deutlich verbessert.

Okazeri: Wenn ich darüber nachdenke, war der DL-103 der erste Tonabnehmer nach der Einführung von Stereo-FM-Übertragungen, gefolgt vom 103S, 103D, 301, 303, 305 und DL-1000A. All diese neuen Produkte stellten Höhepunkte der Denon Tonabnehmer-Technik dar, die auf der grundlegenden Technik des DL-103 basierten. Die F&E-Abteilung von Nippon Columbia war auch an der Entwicklung der Materialien beteiligt. Ich glaube nicht, dass solche Tonabnehmer je wieder gebaut werden, was zum Teil auf den historischen Hintergrund zurückzuführen ist. An einem solchen Prozess beteiligt zu sein und am technischen Hintergrund der Tonabnehmer-Entwicklung teilzuhaben, war für mich eine große Hilfe, um die Technik zu verstehen.

Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben.

Erfahren Sie mehr über die Denon 110 Jahre Jubiläums-Serie.